


Lass mich dich umarmen! Die “Cuddle”-Party (Schmuse-Party) - der neueste New Yorker Trend in dem Bemühen, ein besseres Lebensgefühl zu
bekommen
Wer kein eigenes Auto hat und den Weg ins Büro in einem öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen muss, empfindet die unfreiwillige Berührung mit anderen selten als
angenehm. Das ist in New York nicht anders. Aber trotzdem ist dort ein neuer Trend erfolgreich, der nicht für jedermann geeignet scheint: ganz normale Menschen
bezahlen $30 pro Abend, um mit wildfremden Leuten auf dem Teppich einer Mietwohnung an der Eastside auf enge Tuchfühlung zu gehen. Die Veranstalter nennen
so etwas “Cuddle-Party” - und mancher wundert sich, was das soll.
Reid Mihalko, der Gründer dieser Bewegung, spricht davon, wie Erwachsene zusammenkommen, um sich in vertrauensvoller Berührung und Kommunikation ohne
Sex zu üben. Auch Plüsch-Tiere dürfen bei seinen Partys umarmt werden. Die Leute kommen, staunen, machen mit - und erscheinen am nächsten Wochenende
wieder! Denn, so sagen sie, sie haben den ganzen Rest der Woche über ein gutes Gefühl im Alltag. Ungewöhnlich? Nein, eine Folge der modernen Zeit, sagt
Mihalko.
Die $30 pro Nase haben ihm finanziell schon gehörig unter die Arme gegriffen, zumal er wenige Kosten hat … allenfalls ein kalter Imbiß wird den Teilnehmern
geboten.
Von Beruf ist Mihalko Model, Schauspieler und Masseur - und im Januar dieses Jahres bekam er die Idee, als eine Massage-Party, die er veranstaltete, sich in eine
Umarmungs-Arie verwandelte. “Ich sah darin eine Möglichkeit für Erwachsene, eine nicht-sexuelle Intimität in ihrem Leben zu erreichen, die ihnen normalerweise oft
verwehrt bleibt. Oder sie werden dadurch angeregt, ihre Familienmitglieder zu Hause öfter als bisher zu umarmen.
Auch von einer Befreiung vom Stress des Alltags ist die Rede: eine 34jährige Psychologie-Studentin, die bereits acht solcher Partys besucht hat, sagte zu Reportern,
es gebe zu viel Stress in ihrem Leben - den sie hier abbauen könne. “Außerdem,” fügte sie hinzu, “ist es eine hervorragende Möglichkeit, neue Bekannte zu finden,
ohne Alkohol als eine Brücke zu benötigen.”
Wichtig ist: es gibt Regeln! Nummer eins: die Pyjamas müssen immer angezogen bleiben. Die Grenzen, die jeder für sich selbst sieht, sind zu respektieren. Sex in
jeder Form - oder auch nur sexuelle Gefühle - sind nicht der Zweck der Übung und haben auf den Partys nichts zu suchen. Riskante Kleidung und Alkohol, die
Ausrutscher in dieser Richtung verursachen können, sind verpönt. Alles wird getan, um zu verhindern, dass jemand das Schmusen zum Ausgangspunkt für Orgien
werden lässt.
Die Schmuse-Website, http://www.cuddleparty.com, bekommt inzwischen schon über 500 Besucher pro Tag. Mihalko ist dabei, den Begriff “Cuddleparty” als
Gebrauchsmuster anzumelden. Auch haben Partys bereits anderswo, wie im texanischen Austin, in Los Angeles und sogar in Kanada stattgefunden.
Trainingsabende für Senioren, Homosexuelle und Frauen finden statt, die unter sich bleiben wollen.
Doch nicht jeder hat positive Gedanken, wenn man erzählt, dass sich wildfremde Menschen in Wohnungen “berühren” - auch wenn die “Berührungen” willkommen
sind, und die Teilnehmer sogar bereit sind, einen nicht unerheblichen Betrag dafür zu bezahlen. Aber der Anfang ist gemacht … und zweifellos fühlen etliche
“Schmuse-Monster”, wie sie Mihalko lachend nennt, dass hier Bedürfnisse befriedigt werden, die der Alltag vielen Zeitgenossen nicht bieten kann.
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Erdstation
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