ADVERTISEMENTS



a
Erfolgreiche Millitärsatelliten-Zerstörung:
2 US-Experten publizieren wichtige Details
David Wright, Chefwissenschaftler des Globalen Sicherheitsprogramms und James A. Lewis, Zentrum für Strategische und Internationale Studien lieferten Hintergrundinformationen über die Gründe für die US-Militärbehörden, den Hydrazin-Treibstofftank des manövrierunfähigen Satelliten gezielt zu zerstören. Andere Raumfahrzeuge, die in die Atmosphäre eintauchen, enthalten typischerweise nicht mehr als einige wenige Kilogramm, und ihr Wiedereintritt kann gewöhnlich mit hinreichernder Präzision geplant werden. In diesem Falle dagegen war der Tank voll, und niemand wusste, was geschehen könnte. Das Risiko bestand darin, dass der Tank wie eine 450-kg-Bombe in einer dicht bevölkerten Gegend auf der Erde explodiert wäre und Tod und Zerstörung verursacht hätte."
Kommentar von David Wright, Chefwissenschaftler, Globales Sicherheitsprogramm, UCS-Raketenverteidigung und ASATs:
Ich werde häufig gefragt, was die Zerstörung des Satelliten US193 über die Effektivität des Aegis-Systems gegenüber einem tatsächlichen Raketenangriff aussagt. Die Antwort ist "sehr wenig", da die Zerstörung eines Satelliten sich wesentlich von der Zerstörung eines Raketensprengkopfes unterscheidet. Der größte Unterschied liegt darin, dass der Satellit nicht mit Attrappen oder anderen Gegenmaßnahmen ausgerüstet war, was bei einem Raketensprengkopf in einer tatsächlichen Angriffssituation der Fall gewesen wäre. Attrappen erschweren für den Angreifer die Identifizierung des Zielobjekts, das es zu zerstören gilt. Darüber hinaus hätte bei einem tatsächlichen Raketenangriff die Verteidigung nichts über die Zeit und die Flugbahn des Zielobjekts gewusst, was im Falle des Satelliten der Fall war.
Die zweite Frage besteht darin, ob es einen Nachteil in Kauf zu nehmen gilt, wenn man demonstriert, dass US-Raketenverteidigungssysteme die Fähigkeit zur Zerstörung eines Satelliten besitzen: Leider ja. Der Vorgang erschwert es sehr, andere Länder davon zu überzeugen, dass sie nicht selbst eine ähnliche Anti-Satelliten-Maßnahme entwickeln sollten.
Satelliten sind verwundbar gegenüber Angriffen und Beeinträchtigungen ihrer Funktion, weil sie im Weltraum gesehen und leicht verfolgt werden können. Da die Vereinigten Staaten aus einer Vielzahl von Gründen auf Satelliten angewiesen sind, wäre es sehr vorteilhaft, wenn es gelänge, den Einsatz von ASATs durch alle Länder zu verhindern.
Tests - oder die Verwendung von Waffen, die Satelliten zerstören können - bedeuten auch, dass große Mengen von Trümmern in den Umlaufbahnen entstehen, die jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelang dort verbleiben. Sie können funktionierende Satelliten in diesen Umlaufbahnen behindern und schließlich die Verwendung von Satelliten durch alle Länder erschweren.
Der Abschuss des Satelliten dürfte auch die Beziehungen zu Russland und China komplizieren. Sie haben sich für internationale Verhandlungen für einen Bann von Anti-Satelliten-Waffen eingesetzt, dem sich die Vereinigten Staaten entgegenstellten. Diese Länder werden US-Raketenverteidigungssysteme als de-facto-ASAT-Systeme betrachten. Wenn die Zahl der US-Raketenverteidigungssysteme wächst, wird man das als ein Wachsen der offensiven ASAT-Fähigkeit der USA ansehen.
Kommentar von James A. Lewis, Zentrum für Strategische und Internationale Studien - Satellitenabschuss-Kommentierungen - 20. Februar 2008
Beobachter suchen nach anderweitigen Motiven für den Abschuss wegen der offiziellen Erklärung - dass vermieden werden sollte, 450 kg Hydrazin vom Himmel fallen zu lassen. Hydrazin ist ein hochgefährlicher Stoff. Er ist instabil, hat korrodierende Eigenschaften und explodiert leicht. Das bedeutet, die Treibstofftanks für Hydrazin müssen besonders widerstandsfähig gemacht werden. Leider bedeutet die Widerstandsfähigkeit, die diesen Treibstofftank das Hydrazin sicher in die Umlaufbahn transportieren lässt, dass er auch widerstandsfähig genug ist, um einen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre unter katastrophalen Bedingungen zu überleben. Als der Shuttle beim Wiedereintritt vor ein paar Jahren auseinanderbrach, war dessen Hydrazin-Tank einer der wenigen Teile, die den Fall unversehrt überstanden. Damals enthielt der Tank allerdings nur ein paar Kilogramm Hydrazin. Bei dem Satelliten war der Tank voll. Das Risiko bestand darin, dass das Äquivalent einer 450-Kilo-Bombe mitten in ein bewohntes Gebiet hätte fallen können.
Jede Menge Debris fällt in jedem Jahr aus dem Weltraum herunter. Die Raketen, die Satelliten in die Höhe tragen, kommen auch ziemlich schnell wieder herunter. Ältere Satelliten verlassen ohne viel Aufsehen ihre Umlaufbahnen. Der Unterschied besteht darin, dass es sich dabei in der Regel um kontrollierte Wiedereintritte in die Erdumlaufbahn handelt, bei denen der Punkt des Auftreffens ziemlich genau feststeht (in der Regel über Wasser), und es gibt auch im Bezug auf das Timing eine gewisse Kontrolle. In diesem Fall aber wäre es ein unkontrollierter Wiedereintritt gewesen. Es wäre möglich gewesen, das Auftreffen vorherzusagen, aber eine Reihe von Faktoren hätten die Vorhersage ungültig machen können.
Nehmen wir an, die USA hätten vorhergesagt, der Satellit würde in der Nähe einer bewohnten Gegend herunterkommen. Gewöhnlich fallen die Dinger ja ins Wasser - es bedeckt 3/4 der Oberfläche des Planeten - oder in eine unbewohnte Gegend. Ich weiß von nur einem berichteten Fall, wo 9 kg Aluminiumschrott von einem chinesischen CBERS-Satelliten einen Jungen in der Shaanxi-Provinz trafen - die Presse berichtete, er habe ihn "am Zeh verletzt".
Die Hydrazin-Erklärung scheint etwas weit hergeholt, aber die alternative Erklärung ergibt sogar noch weniger Sinn. Die Vereinigten Staaten müssen das nicht tun, um die Chinesen zu beeindrucken. Sie waren bereits von früheren erfolgreichen Tests beeindruckt, einschließlich des letzten, bei dem eine SM-3-Rakete, gestartet von einem Aegis-Kreuzer, einen Raketensprengkopf 138 Kilometer über den Pazifischen Ozean traf. Das erregte nicht viel Aufsehen in der Öffentlichkeit, aber das chinesische Militär hat die Sache mit Sicherheit genau verfolgt, und sei es auch nur, weil die Vereinigten Staaten ein gemeinsames Raketenverteidigungsprogramm unter Aegis-Verwendung mit Japan haben, das, wie die Chinesen glauben, bei der Verteidigung Taiwans eingesetzt werden könnte.
Dieser Test und der ASAT-Test Chinas sind wirklich nicht vergleichbar. Es handelt sich nämlich um einen ballistischen Raketenverteidigungstest und keinen Anti-Satelliten-Test. Ein Anti-Satelliten-Test hätte das Ziel in der Umlaufbahn angegriffen. Ein BMD-Test trifft es während des Wiedereintritts. Wenn man das Ziel in einer geringeren Höhe angreift, so reduziert das die Gefahr störenden Debris. Eines der Probleme des chinesischen ASAT-Tests (neben der Tatsache, dass niemand im voraus davon erfuhr), ist, dass eine große Wolke von Debris in der Umlaufbahn entstand. Die Trümmer dieses Aegis-Unternehmens entstanden in niedriger Höhe und werden viel schneller in der Erdatmosphäre verbrennen.
Erfolg war wahrscheinlich in diesem Bemühen, aber keinesfalls sicher. Von den 10 Aegis-Testunternehmen resultierten 8 in Treffern. Es gab also eine Möglichkeit, dass der Satellit sich beim unregelmäßigen Auftreffen auf die oberen Schichten der Atmosphäre unberechenbar verhielt und dadurch ein schwieriges Ziel darstellte. Variationen der SM-3-Rakete können gegen Flugzeuge oder Schiffe eingesetzt werden, aber sie enthalten explosive Sprengköpfe, die nur in der Nähe ihrer Ziele zu explodieren brauchen, sie also nicht direkt treffen müssen. Die Raketenverteidigungs-Variante enthält einen "kinetischen" Sprengkopf, also im Grunde genommen nichts weiter als einen großen metallenen Körper, der in das Ziel gesteuert wird. Es ist eine mittelmäßige Blamage, wenn er dies nicht tut.
Die Begründung, dass streng geheime Bauteile oder Geräte, wenn sie auf die Erde fallen, in falsche Hände geraten könnten, hat etwas für sich, aber nicht genug, um einen Abschuss zu rechtfertigen. Es gibt immer Einzelteile, die unversehrt bleiben, wenn ein Satellit zur Erde zurückfällt. Fallen sie in die kanadische Arktis, dann sammeln die USA und Kanada die Einzelteile auf. Als ein atomgetriebener Satellit der Sowjetunion in den 70iger Jahren in Kanada zu Boden ging, teilten die Sowjets den Kanadiern mit, dass sie keinen Wert auf die geborgenen Einzelteile legten. Als eine chinesische Rakete, die einen westlichen Kommunikationssatelliten in die Umlaufbahn tragen sollte, kurz nach dem Start explodierte, sammelten die Chinesen alle Teile sorgfältig auf und untersuchten sie, bevor sie sie zurückgaben, aber die wichtigsten Teile waren verbrannt und zerbrochen, was ihre Einordnung unmöglich machte. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Absturz nützliche Informationen durch Untersuchung geborgener Teile zu erlangen, ist gering, weil die wichtigste Technologie einigermaßen unbeschadet bleiben müsste, und die Trümmer unbedingt in ein von dem Kontrahenten kontrolliertes Gebiet fallen müssten. Diese Wahrscheinlichkeit ist zu gering, um einen Abschuss zu rechtfertigen.
Click Earthstation Homepage. Klick Erdstation Homepage
*
We can not be liable for contents of links.
All comments, opinions, criticism are very welcome.
Für Inhalte verlinkter Websites
keine Gewähr. Wir freuen uns
auf Kommentare, Meinungen, Kritik.
armin.berlin@gmail.com
Goodyear, Berlin & Cline
Malibu, CA 90265 * USA
|


Erdstation
E-Mail: armin.berlin@gmail.com
|