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Sehr ernste Entwicklungen in Georgien, Russland mit potenziell weltweiten Auswirkungen
Seit mehreren Jahren sind die Beziehungen zwischen Russland und Georgien, dem einstigen Mitgliedstaat der UdSSR, kritisch und zeitweise explosiv. Durch die Medien-Dominanz der Olympischen Sommerspiele in China, die zur Zeit die Aufmerksamkeit der Welt beanspruchen, lässt die Einschätzung der Krise an vielen Orten zu wünschen übrig. Die meisten Westler haben bis zu ihrem Ausbruch wahrscheinlich kaum etwas über die georgische Provinz Süd-Ossetien gewusst, die versucht, sich von der Nation Georgien abzusondern. Doch was heute in dieser Region geschieht, ist wesentlich ernster, als es sich Beobachter rund um die Welt derzeit noch vorstellen können - vor allem für die Interessen der USA, als deren Verbündeter sich Georgien betrachtet.
Die Meldungen aus Georgien widersprachen sich im Laufe des Montags. Obwohl es zunächst geheißen hatte, ein hoher General der Armee hätte versichert, Russland habe nicht die Absicht, seine Truppen in Georgien eindringen zu lassen, soll die Stadt Gori an der einzigen Ost-West-Hauptstraße des Landes besetzt worden sein. Wenn das stimmt, wäre Russland damit in der Lage, den östlichen Teil Georgiens von der westlichen Schwarzmeerküste abzutrennen. Auf einer nationalen Sicherheitskonferenz sagte der georgische Präsident Michail Saakaschwili, genau das sei geschehen. Aber ausländische Reporter berichteten am späten Abend Ortszeit aus eigener Anschauung, es seien "keine nennenswerten Truppen oder Militärfahrzeuge gesichtet" worden.
Sicherheitsratschef Alexander Lomaier teilte auch am Montag mit, es stehe nicht fest, ob die russischen Truppen ihren Weg in die Hauptstadt Tiflis fortsetzen würden, obwohl Präsident Saakaschwili einen einseitigen Waffenstillstand, ausgehandelt mit EU-Emissionären, unterzeichnete. Auf Wunsch Georgiens tritt in New York der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen, und EU-Gesandte bemühen sich in Moskau darum, dass auch Russland das Waffenstillstandsabkommen unterschreibt und einhält.
Auf der anderen Seite kämpft Georgien in der abtrünnigen Provinz Süd-Ossetien weiterhin darum, die Kontrolle zurückzuerobern, und ausländische Reporter beobachteten, wie eine kleine Gruppe von georgischen Kämpfern das Feuer auf russische und südossetische Fahrzeuge eröffnete. Auf allen Seiten scheint Übereinstimmung darin zu bestehen, dass russische Truppentransporter in Senaki eingedrungen sind - einer Stadt, die etwa 30 Kilometer von dem georgischen Schwarzmeerhafen Poti entfernt ist. Von weiteren Truppenbewegungen ist die Rede. Die Filmcrew der Nachrichtenagentur AP sah georgische Panzer und andere Militärfahrzeuge auf der Fahrt mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße von Gori nach Tiflis. Es wurde von Schüssen und brennenden Privatfahrzeugen am Straßenrand berichtet.
Während die genaue Lage noch unklar ist, haben US-Präsident Bush und andere westliche Politiker Russlands militärische Reaktion auf die georgischen Vorstöße in Süd-Ossetien scharf als unangemessen kritisiert. Russische Militärflugzeuge hätten georgische Ölanlagen weit entfernt von der Konfliktzone bombardiert, und es sei offensichtlich, dass Russland plane, die georgische Regierung zu stürzen.
Der Westen, und besonders die USA sind von dem Geschehen in Georgien auch direkt betroffen. Eine Pipeline, die den Amerikanern gehört, verläuft durch Georgien und gestattet es ihnen, ihre Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Mittleren Osten zu vermindern, ohne sich andererseits von Russland und dem Iran abhängig zu machen. Am Samstag, dem 9. August bombardierte die russische Luftwaffe die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die Öl von Aserbeidschan in die Türkei transportiert - ein Zeichen dafür, dass sie Russland für wichtig hält.
Mit seinen etwa 30.000 Soldaten, 200 zum größten Teil veralteten Panzern und wenigen Flugzeugen und Hubschraubern ist Georgien im Vegleich zu der riesigen russischen Armee kein ernst zu nehmender Gegner und würde bei jedem wie auch immer gearteten längeren Konflikt unterliegen, auch wenn die Militärberater der USA im Lande sich bemüht haben, einige bescheidene Fortschritte zu erzielen.
Wladimir Putin, der russische Premierminister, drückte in einer Stellungnahme seinen Unwillen darüber aus, dass die US-Regierung Georgien in der gegenwärtigen Auseinandersetzung als Opfer und nicht als Aggressor betrachtet. "Saddam Hussein wurde aufgehängt, weil er mehrere shiitische Dörfer zerstörte", sagte er nach seiner Rückkehr aus Beijing in Moskau. "Aber die derzeitigen georgischen Führer, die zehn ossetische Dörfer auf einmal angriffen, alte Leute und Kinder mit Panzern jagten und Zivilisten lebend in ihren Behausungen verbrannten - diese Führer werden unter besonderen Schutz gestellt."
Viele internationale Beobachter betonen, dass die dramatische Eskalierung der Auseinandersetzung mehr ist als nur ein vorübergehendes Aufflammen der Gegensätze im Kaukasus. Das Ergebnis wird das zukünftige Verhaltens Russlands gegenüber seinen Nachbarn beeinflussen, meinen sie. Und die USA, wenn sie die Aufgabe ihres letzten Verbündeten im Kaukasus riskieren, könnten damit der nächsten Washingtoner Regierung im Bezug auf die nächsten Schritte ihrer Weltpolitik einen Bärendienst erweisen.
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