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Studie: 20% von Forschern nehmen Medikamente für eigenes Gehirn
Über ein Drittel von ihnen würden sie unter Umständen sogar ihren Kindern verabreichen.
Die "überwältigende Mehrheit" der Befragten, die zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen, gab an, man würde damit seine Konzentrationsfähigkeit erhöhen. 60% tun das auf wöchentlicher oder sogar täglicher Basis!
1.427 Personen - die meisten davon in den Vereinigten Staaten - haben sich an einer nicht sehr förmlich gehaltenen Umfrage beteiligt, die über das "Nature Network"-Web-Forum lief. Es ist ein Diskussionsforum für Wissenschaftler, das die Publikationsgruppe des Nature-Verlages betreibt.
Mehr als ein Drittel der Befragten teilte mit, wenn andere Kinder in der Schule, die ihr eigener Nachwuchs besucht, solche Medikamente erhalten würden, dann würden sie sich möglicherweise einem Druck ausgesetzt fühlen, die eigenen Sprösslinge ebenfalls damit zu versorgen.
In der Umfrage ging es um drei Medikamente, die per Verschreibung oder über das Internet problemlos zu erhalten sind.
Ritalin - das ist der Handelsname für Methylphenidate - ein Stimulant, der normalerweise besonders Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen - mit und ohne Hyperaktivität - gegeben wird. Modafinil - vermarktet unter der Bezeichnung Provigil - wird für Schlafstörungen verschrieben, ist aber auch für allgemeine Erschöpfungszustände und Jet Lag von Nutzen.
Beide Präparate werden in den USA - wo die meisten Befragten zu Hause sind - in Colleges und Universitäten als Hilfsmittel zum Studieren verwendet, um die betreffenden Studenten wach zu halten und ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. "Die meisten bereiten sich damit kaum Probleme, weil sie die Medikamente nur vorübergehend verwenden", sagte ein Psychiater der Washingtoner Georgetown-Universität zu Zeitungsreportern. "Wenn ihre Examen vorbei sind, hören sie damit auf und benutzen sie in der Regel nicht mehr."
Es gibt aber auch Experten, die, wie die Umfrage zeigt, das Problem ernsthafter betrachten. Schließlich ist Ritalin eine Substanz, die Abhängigkeit erzeugen kann - sogar dann, wenn sie sich als sicher und effektiv erwies, und wenn sie so genommen wird, wie es die Verschreibung beinhaltet.
Bei der dritten Medikamentengruppe in der Umfrage handelt es sich um Beta-Blocker, wie sie für Herzrhythmussstörungen verschrieben werden ... sie nehmen aber auch Menschen, die z. B. unter Lampenfieber leiden. Von den 288 Wissenschaftlern, die angaben, eines oder mehrere der geschilderten Präparate für "nicht medizinische" Zwecke genommen zu haben, nahmen drei Fünftel Ritalin und nahezu die Hälfte Provigil. Nur 15% erwähnten Betablocker. Über ein Drittel von ihnen beschafften sich die Medikamente übrigens per Internet, der Rest kaufte sie in der Apotheke.
Zu den angegebenen Gründen für die Einnahme gehörten die Notwendigkeit, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, und das Bemühen, nach Flugreisen dem gefürchteten Jetlag entgegenzuwirken. 70% der 1.258 Befragten antworteten, sie wären auch willens, milde Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür die Leistungsfähigkeit des Gehirns erhöhen könnten. Etwa die Hälfte gab an, solche Nebenwirkungen auch bei Gelegenheit selbst erfahren zu haben - wie Kopfschmerzen, Überspanntheit, Beklemmungen und Schlaflosigkeit.
Einer der Experten, damit konfrontiert, dass es sich offenbar um nennenswerten Missbrauch von Medikamenten handelt, wies darauf hin, dass die Umfrage - auch wenn es sich um eine respektable Publikation handet - nicht unbedingt rigirosen wissenschaftlichen Prinzipien standhält. "Es ist eine freiwillige Umfrage unter Leuten, die Internet-Fragen beantworteten. Dahinter könnte auch eine Überrepräsentation stehen", gab er zu bedenken.
Interessant: Über 57% der Befragten waren 35 Jahre alt oder jünger!
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