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Hollywood Autorenstreik: TV-Zuschauer
verlassen Bildschirme in Massen
Laut Nielsen-Organisation, die die Einschaltzahlen ermittelt, leiden Amerikas Fernsehnetze unter dramatischen Verlusten an Zuschauern: Etwa 25% weniger Menschen schauen zu. Die Produktion von Shows nach Manuskript steht still. Der Preis für die Wirtschaft in Los Angeles ist hoch: Der Streik kostet etwa 14 Millionen Euro pro Tag. In der letzten Woche sind die Autorenvereinigung und Hollywoods Studiochefs an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Doch kaum ermutigende Nachrichten machen die Runde. Wird sich das Publikum noch mehr dem Internet zuwenden? Das ist es, was Unterhaltungsexperten befürchten. Und TV-Zuschauer rund um die Welt - bis nach China - nehmen Kenntnis.
Bisher hat eine Sendeform noch weitergehende Einbrüche der Zuschauerzahlen verhindern geholfen, die es noch vor zwei Jahrzehnten in dieser Form kaum gab: "Reality Shows". Auch die typischen Weihnachtssendungen und Sportübertragungen, die Massen begeisterten, täuschten über den Mangel an frischem Material hinweg. Doch diese Zeiten sind vorüber. Die Saison 2008 ist da. Und bestimmte Kanäle stecken in größten Schwierigkeiten - besonders beim wichtigen Publikum in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren. Sie lassen sich nicht länger mit Wiederholungen und Vorratsproduktionen vom vergangenen Sommer abspeisen. Manche Sendungen haben sogar nur noch 50% Zuschauer!
Ein weiterer Trend setzt sich durch, den Hollywoods Studiochefs mit Besorgnis beobachten: Mehr und mehr Shows laden sich die Zuschauer aus dem Internet selbst herunter. Neue Hardware gestattet es, sie nicht nur auf dem Computer-Monitor, sondern dem "großen" Bildschirm im Wohnzimmer zu betrachten, der sich mehr und mehr auch für Computerspiele benutzen lässt. Das bedeutet, ein größerer Aufwand ist nötig, um mit Fernsehunterhaltung Geld zu verdienen. Nicht nur Producer, sondern auch Verkaufsabteilungen verbringen schlaflose Nächte. Internet-Dienste wie Youtube.com, die es vor kurzem noch gar nicht gab, werden von Millionen begeistert benutzt, und das Bemühen um finanzielle Erlöse verlangte neue, kreative Finanzquellen. Die Branche gerät mehr und mehr in Bewegung - und mancher befürchtet auch: außer Kontrolle.
All die neuen Möglichkeiten, sich zu unterhalten, weiterzubilden, Computerspiele zu benutzen, Musik und Videos herunterzuladen, E-Mails zu schreiben, Videokonferenzen einzuberufen, My Space, Facebook und ähnliche Internet-Sites zu bevölkern ... sie haben bewirkt, dass viele Ex-Fernsehzuschauer heute mit anderen Aktivitäten so intensiv beschäftigt sind, dass sie den Streik der Autoren gar nicht richtig wahrnehmen. Und dazu kommt die Globalisierung: Viel mehr als früher interessieren sich Konsumenten dafür, was in anderen Teilen der Welt auf dem Unterhaltungssektor geboten wird. Die Zeiten, in denen man in den USA keine europäischen Videokassetten abspielen konnte - und umgekehrt - sind vorbei. Bald werden auch die Produzenten rund um die Welt beginnen, Filme und Video-Shows für ein internationales Publikum hervorzubringen.
Kein Zweifel: Sie werden alle umlernen müssen - Hollywood-Studios, Drehbuchautoren, Schauspieler, Produzenten. Und die bange Frage, ob angesichts des immer freizügiger werdenden Herunterladens von Programmaterial auch in Zukunft in der Branche so viel Geld wie früher zu verdienen sein wird - sie hört man immer öfter. Aber niemand wird bestreiten: Es sind aufregende Zeiten, die sich durch das Internet und die wachsenden Möglichkeiten ergeben. Und niemand will wohl zu der altmodischen Glotze der 80iger, 70iger, 60iger und 50iger Jahre zurückkehren ... egal, was die jetzt so hochtechnische Zukunft für die Erdbevölkerung bringt.
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