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Bald: Internet wird zum weltweiten
Qualitäts-Fernseh-Medium
Vor nur ein paar Jahren war die Bildqualität der meisten Fernsehübertragungen im Worldwide Web kaum akzeptabel. Oftmals bereitete es Schwierigkeiten, auf dem Computer-Bildschirm Einzelheiten zu erkennen, die Bilder waren extrem verschwommen, und in vielen Fällen ruckelte oder stoppte die Übertragung von Videos sogar sekundenlang. Das hat sich deutlich geändert ... besonders für Benutzer einer schnellen Internet-Verbindung mit mehreren MB/sec. Gegenwärtig findet eine neue Entwicklung statt, die die Qualität sogar noch weiter verbessert. Sie wird "IPTV" genannt, und es gibt viele neue Initiativen. Experten sagen voraus, IPTV werde sich in etwa drei Jahren zu einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft entwickelt haben - ein wichtiger Grund, sich auf diesem Sektor Informationen zu holen.
Neben der Technologie, die nunmehr zur Verfügung steht, gibt es einen wesentlichen Faktor, der die schnelle Ausbreitung des Fernsehens per Internet innerhalb relativ kurzer Zeit ermöglichen wird: Geld! Dieser Wirtschaftszweig hat weltweit im Laufe der letzten Zeit durch Abonementsgebühren, Geräteverkauf und Werbung Milliarden von Euro eingebracht. Große Konzerne wie General Electric, SONY, Viacom, Walt Disney und nicht zuletzt Rupert Murdoch's "News Corporation" haben enorme Profite erzielt . . . und sie sind nicht die einzigen. Die Staaten profitierten von Steuereinnahmen, auf die sie einen wachsenden Appetit bekommen. Und deshalb fallen neue Entwicklungen auf fruchtbaren Boden - ob es den bisherigen Medien gefällt oder nicht.
Der neue Begriff, der sich auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer mehr durchsetzt, heißt "Internet Protocol TV" (IPTV) und natürlich geht es dabei um die Fernsehsignale und ihre Übertragung über das Internet. iSupply, ein Unternehmen, dass sich mit neuen Entwicklungen beschäftigt, hat vorausgesagt, dass die neue Technik bereits im Jahre 2010 weltweit eine 26-Milliarden-Dollar-Industrie sein könnte. Und Gartner prophezeit, dass dann 48 Millionen Menschen regelmäßig im Internet fernsehen dürften.
In den vergangenen Monaten haben drei neue Unternehmen Test-Videos verbreitet, die viele der bisherigen Fernsehveranstalter zunächst mit Besorgnis beobachteten. Aber vor allem der Spitzenreiter, joost, hat bereits Zuspruch und mit dem Unternehmen Viacom in den USA sogar einen wichtigen Vertragspartner gefunden. Früher hieß es das "Venice Project" ("Projekt Venedig". Es erhält gerade in den letzten Wochen mehr und mehr Aufmerksamkeit in den "alten" Medien. Janus Friis und Niklas Zennstrom, die Gründer von Kazaa und Skype, sind wesentlich beteiligt.
Joost ist vor allem eine neue Software. Sie beschäftigt sich mit dem Problem, dass Fernsehen zur Internet-Verbreitung eine große Bandbreite, also die Verbreitung einer großen Datenmenge, benötigt. Und sie nutzt die sogenannte Peer-to-Peer-Streaming-Technologie, um das zu ermöglichen. Die Daten werden in codierten "Paketen" verbreitet. Der Unterschied zwischen joost und traditionellen Fernsehprogrammen besteht vornehmlich darin, dass es sich um "Demand-Fernsehen" handelt, das heißt, der Nutzer kann Videos anfordern und betrachten, wo auch immer er sich gerade befindet - und nicht nur, wenn ein Sender dieses Material gerade ausstrahlt.
Der Vertrag mit dem Unternehmen Viacom bedeutet, dass Inhalte von MTV, Black Entertainment Television (vor allem in den USA) und Paramount schon bald per joost zu sehen sein werden. Andere Firmen werden folgen. Zur Zeit hat joost lediglich 23 Kanäle - und eine Menge kommerzieller Inhalte. Es gibt Musikkanäle und Künstler wie "Green Day", und "Red Hot Chili Peppers". Musikvideos, Dokumentafilme und Live-Sendungen werden gezeigt. Es gibt einen Automobil-Kanal für Fans unter dem Titel "Fifth Gear" - und es gibt eine Samstagmorgen-Show mit älteren Zeichentrickfilmen wie "Rocky and Bullwinkle". "National Geographic" zeigt volle Dokumentarsendungen aus dem eigenen Kabelfernsehprogramm . . . ein interessanter Anfang. "IndieFlix Premiere Hits" zeigt Filme unabhängiger Produzenten in voller Länge. Wo hat es das bisher in nennenswertem Umfang gegeben?
Graphics: [sfgate.com] Joost-Screenshot with controls
Graphik: [sfgate.com] Joost-Bildschirm mit Einstellungen
Joost hat ein "User-Interface", das man nicht als traditionell bezeichnen kann. Wer das Programm startet, blickt auf einen vollen Bildschirm mit einem "Button" auf der rechten Seite, mit dem man eine Übersicht über die vorhandenen Kanäle bekommt. Auf der linken Seite befindet sich ein weiterer Knopf für "My Joost" mit Zugang zu den "Widgets" - eine Einrichtung, die später noch zu erklären ist.
Die Video-Kontrolle, in einem Kasten im unteren Teil des Bildschirms, erklärt sich im wesentlichen selbst. Man kann auch die Kanäle ändern beziehungsweise ein bestimmtes Programm anwählen - oder sich über Programminhalte informieren. Besonders nützlich ist die Möglichkeit, mithilfe von "Keywords" nach bestimmten Programmen zu suchen, auch wenn diese Besonderheit erst im Laufe der nächsten Zeit perfektioniert werden muss. Joost hat auch einen so genannten "Channel Browser", mit dem man sich in zwei Richtungen durch eine Liste vorgewählter Programme weiterschalten kann.
Widgets
Widgets sind eine Erfindung, die Joost von anderen IPTV-Anbietern unterscheidet. Man kann wählen, zwischen einem "Notice Board" mit Mitteilungen über Joost, "Instant Message" und "Channel Chat", wie die Möglichkeit bieten, mit anderen Zuschauern zu kommunizieren, "News Ticker", einem "RSS-Feeder", die dem Benutzer eine Zugangsmöglichkeit zu News-Quellen von außen verschafft, sowie einer eingebauten Uhr. Die "Widgets" sind eine sehr kreative Ergänzung der Funktionen von Joost und haben sich in der gegenwärtigen Versuchsphase gut bewährt. Man braucht auf diese Weise keine Zeit zu verschwenden, um den Joost-Service zu verlassen, um andere Dinge zu erledigen.
BABELGUM
Babelgum ist ein Service, denn der italienische Milliardär Silvio Scaglia (Fastweb) ins Leben rief - eine weitere Software für "On Demand"-IPTV, die mit Joost eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Babelgum hat sich in vier Ländern etabliert und scheint bisher die Joost-Konkurrenz nicht zu fürchten.
Programminhalte
Gegenwärtig stehen neun Kanäle zur Verfügung, und die meisten Inhalte bestehen aus Werbespots für Filme, Programmmaterial unabhängiger Produzenten und Amateure. Ein Nachrichtenkanal mit Meldungen der Nachrichtenagentur AP und ein Zeichentrick-Kanal sind weitere Besonderheiten. Ein Kanal mit Weblogs bietet Episoden der Serie "Rocketboom".
Babelgum versucht, die Eigentümer von Programminhalten zu einer Werbung für Babelgum auf ihren eigenen Web-Seiten zu überreden. Es sei, so heißt es in den übermittelten Texten, eine "ideale Plattform für Programmanbieter, Bedürfnissen der Zuschauer gerecht zu werden, die bei den heutigen herkömmlichen Fernsehprogrammen zu kurz kommen." Babelgum berechnet keine Gebühren für die Verbreitung von Inhalten und bietet Programmlieferanten eine Gebühr von fünf Dollar für jeweils 1000 Original-Zuschauer an. Das klingt nicht schlecht für Amateure, durfte allerdings großen Medienunternehmen nicht attraktiv erscheinen.
Babelgum hat ein Nutzer-Interface, dass sich im weitesten Sinne mit dem von Joost vergleichen lässt. Auf der linken Seite sind die Kontrolleinrichtungen für Video angeordnet. Man vermisst die Möglichkeit des schnellen Durchschaltens durch die Programme. Es ist auch nicht möglich, wie bei Joost, zum Anfang des jeweiligen Programms zurückzukehren. Und Babelgum besitzt lediglich die Möglichkeit, das Programm auf den vollen Bildschirm - oder auf ein kleineres Fenster zu schalten, ohne die Größe dieses Fensters individuell einstellen zu können. - Babelgum hat einen relativ leicht zu handhabenden "Channel Browser", die detaillierten Funktionen erklären sich von selbst. Man kann sich seine eigenen Listen von Programmen zusammenstellen, was bei den gegenwärtigen neun Kanäle verhältnismäßig einfach ist. Es ist offensichtlich, dass sich Babelgum zurzeit noch in der Entwicklungsphase befindet, und das weitere Möglichkeiten der Manipulation und der technischen Einstellung noch auf sich warten lassen.
ZATOO
Zatoo ist ein Service, der in der Schweiz entwickelt wurde und sich von Joost und Babelgum in mehreren Beziehungen unterscheidet, er ist derzeit nur in der Schweiz verfügbar, hat aber seine Zentrale in Ann Arbor, US Staat Michigan, USA.
Die hauptsächliche Stärke liegt bei Zatoo in den Inhalten, die bereits jetzt zur Verfügung stehen - über 40 verschiedene Kanäle für die Anwender in der Schweiz. Eine Ausdehnung des Dienstes in anderen Ländern ist ganz offensichtlich geplant, auch wenn dazu Vereinbarungen mit Programmlieferanten erforderlich sind, die derzeit offenbar noch nicht zur Verfügung stehen. Die Kanäle schließen BBC World, CNN International Canale 5, Viva und Italien 1 ein - Programmsprachen sind neben englisch deutsch, französisch und italienisch.
Interface
Das Interface von Zatoo ist sehr einfach, leicht verständlich und traditionell zu nennen. Man wird an Windows oder Mac erinnert. Zatoo bietet ja Programm-Streaming tatsächlich vorhandener Fernsehstationen, und so ist die Video-Kontrolle nicht so häufig erforderlich wie bei Joost und Babelgum. Was man vermisst, ist gegenwärtig noch eine Kanal-Übersicht, die mit einem Blick zeigt, was zu einer bestimmten Zeit auf den verschiedenen Kanälen gesendet wird.
CHOOSEandWATCH, FREE TUBE
Diese Websites bieten ebenfalls Streaming Video auf verschiedenen Kanälen, darunter ESPN, ABC Television, Al Jazeera und BBC World. Auch einige unabhängige Produzenten-Netze stehen zur Verfügung. ChooseAndWatch gibt eine Auswahl zwischen 250 Kanälen an, bei Free Tube sind es sogar 324. Aber diese Dienste befinden sich ganz offensichtlich noch in der Entwicklungsphase - es gibt häufig Schwierigkeiten technischer und allgemeiner Art, aber manchmal auch Überraschungen, was die Verfügbarkeit interessanter und exotischer Sendungen betrifft. Auch Kanäle, die Inhalte für Erwachsene bieten, sind verfügbar, was Eltern mit Sicherheit zur Vorsicht veranlassen dürfte.