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Kokurrenz für's Internet: Hollywoodfilm-Download, 2 Sekunden
Eine neue Cyber-Revolution kommt von CERN, dem Zentrum für Partikelphysik in der Schweiz, wo ein eindrucksvoller Partikel-Generator im Sommer beginnt, den Ursprung des Universums zu erforschen. Um jedes Detail zur Auswertung verfügbar zu machen, muss CERN jährlich Daten entsprechend 56 Mio. CD's speichern können - 10.000mal so schnell wie modernes Breitband. Diese Technik, so glauben Experten, wird Gesellschaften umkrempeln.
Die Datenmenge, die in jedem Jahr auf der Welt neu geschaffen wird, ist so enorm, dass es Befürchtungen gibt, die Übertragungs- und Speicherkapazitäten könnten bald nicht mehr ausreichen, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Aber auch in diesen Bereichen ist der Fortschritt der Technik als rasant zu bezeichnen - besonders bei den Datenübertragungen: "The grid", wie die Sammelbezeichnung für die neuen Netze heißt, wird es bald schon problemlos möglich machen, den gesamten Katalog der Musik der Rolling Stones innerhalb von 2 Sekunden von Großbritannien nach Japan zu schicken. Und auch die Übertragung holographischer Images ist möglich, die im Begriff sind, ein völlig neues Kapitel der Bildung und Erziehung und der Kommunikation aufzuschlagen, wie es Science Fiction-Filme schon seit langem zeigen: Konferenzen, Besprechungen, Vorlesungen, "Brainstorming"-Sitzungen werden in Realzeit stattfinden können, bei denen sich die Gesprächspartner unmittelbar gegenübersitzen und räumlich sehen können: Was für Zukunftsaussichten sich da auch für Computerspiele ergeben!
Online-Spiele können mit Hunderttausenden von Teilnehmern aus aller Welt stattfinden, ohne dass sie dazu vorher in ein Flugzeug steigen müssen. Videotelefonie in extrem hoher Auflösung zum Preise eines heutigen Telefongesprächs weltweit: Kein Wunder, dass man David Britton, dem Physik-Professor der Glasgow-Universität glauben möchte, wenn er der heutigen Version der ehrwürdigen Londoner Times erklärt: "The grid" wird die Gesellschaften revolutionieren. Mit dieser Rechenleistung werden zukünftige Generationen Möglichkeiten der Kommunikation und Zusammenarbeit nutzen können, die für die älteren Menschen der heutigen Zeit nicht einmal mehr vorstellbar sind.
Die Leistungsfähigkeit des "Grids" wird in diesem Sommer zum ersten Mal voll zum Ausdruck kommen, wenn die Wissenschaftler bei CERN den "LHC", ihren "Large Hadron Collider" einschalten, der ihnen helfen soll, die Entstehung unseres Universums nachzuvollziehen. Die enormen Datenmengen, die es dann zu speichern gilt, werden in jahrelanger Arbeit ausgewertet werden müssen. Warum es deshalb nötig war, das Internet - und sogar die fortschrittliche Version davon, Internet 2, zu ignorieren und eine völlig neue Daten-Infrastruktur zu schaffen? Einfach: Die Forscher befürchteten, das gesamte Internet, das wir heute kennen, hätte unter der Last der Beanspruchung bei der Inbetriebnahme des LHC zusammenbrechen können - ein globaler Internet-Kollaps, der schlimmste Albtraum all derjenigen, die wissen, was heutzutage alles am Internet hängt.
Um den enormen Anforderungen von CERN entsprechen zu können, braucht das "grid" nicht nur das Hochgeschwindigkeitsnetz,
sondern an den Endpunkten der jeweiligen Verbindungen auch die entsprechenden Hochleistungs-Computer mit der dazu gehörigen Software, die Kontrolleinrichtungen zur Autorisierung und die Prozesssysteme, sowie Festplatten zur Speicherung, CPU's, Übertragungssoftware, etc. Die in der Einleitung genannten Beispiele sind also nur ein vorsichtiger Versuch, die Leistungsfähigkeit der gesamten Anlage mit einfachen "Fällen" zu umschreiben. Wenn es so weit ist, die verwendete Technik auch für Kommerz und Unterhaltung verfügbar zu machen, werden selbst die heute technisch Interessierten staunen. Astronomen, Molekularbiologen und viele andere Wissenschaftler werden davon profitieren. Schon jetzt wurde moderne Technik bei der Neuentwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung der Malaria eingesetzt - der Krankheit, die von Moskitos übertragen wird und weltweit eine Million Menschen pro Jahr tötet. Mit Hilfe eines normalen PC's, der am heutigen Internet betrieben wird, hätte diese Aufgabe geschätzte 420 Jahre in Anspruch genommen. Viele von uns denken auch an holographische Videokonferenzen, die bald selbstverständlich sein werden.
Interessanterweise wurde das Internet einst entwickelt, indem seine Schöpfer eine enorme Anzahl von Geräten und Kabeln zusammenschalteten. Der Grund: Damals ging man noch davon aus, dass es aus Telefoneinrichtungen bestehen würde, und keine Fähigkeit zur Datenübertragung von extrem hoher Geschwindigkeit hat, wie wir sie heute kennen.
"The Grid" dagegen funktioniert mit modernen Glasfaserkabeln und modernen "Routing"-Zentren - keine veralteten Komponenten sind vorhanden, die die Datenübertragung abbremsen. Die 55.000 Server, die bereits installiert sind, werden sich bereits innerhalb der nächsten zwei Jahren beinahe vervierfacht haben.
Prof. Tony Doyle ist der technische Direktor des Grid-Projekts. Er erklärte kürzlich dazu, es gebe so viel an Prozessverarbeitung, dass man sich um die elektrische Energie sorgen müsste, wären sie alle bei CERN. Die einzige Antwort bestand darin, ein neues Netz zu bauen - leistungsfähig genug, um die Daten unmittelbar den Forschungszentren der beteiligten Länder zugänglich zu machen. Ein solches Netz - praktisch ein Parallel-Internet - wird jetzt fertiggestellt. Glasfaserkabel erstrecken sich von CERN in insgesamt 11 Zentren in den USA, Kanada, den Fernen Osten, Europa und andere Teile der Erde. Von jedem Zetrum reichen weitere Verbindungen zu Forschungsinstituten mit existierenden Hochleistungs- und Hochgeschwindigkeitsnetzen. England zum Beispiel hat schon allein 8000 Server für dieses Systen. Jedes Akademiemitglied, jeder Student wird bereits in diesem Herbst in der Lage sein, sich selbst an das "Grid" anzuschließen, ohne noch eine herkömmliche Internetverbindung dazuwischenschalten zu müssen.
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